26.11.06
Englische Werbesprüche kaum verstanden
Englische Werbesprüche werden von deutschen Verbrauchern meist kaum oder völlig falsch verstanden.
Das berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" unter Berufung auf eine Studie der Kölner Agentur Endmark. Für die repräsentative Studie wurden ein Dutzend Werbeaussagen untersucht. Wie der "Spiegel" berichtet, konnte den Vodafone-Slogan "Make the most of now" (zu Deutsch etwa: 'Mach das Beste aus dem Augenblick') nur jeder Dritte der Befragten korrekt übersetzen. Den Spruch des Urlaubsanbieters Centerparcs "A State of Happiness" (Ein Platz/Zustand des Glücks) verstanden nur 13 Prozent richtig.
Absolutes Schlusslicht der Studie sei der aktuelle Jaguar-Werbespruch "Life by Gorgeous" (in etwa: 'Leben auf prächtig') gewesen. Diesen hätten nur noch acht Prozent der Befragten korrekt übersetzen können. Manche der Probanden meinten demnach sogar, der Spruch hieße: "Leben in Georgien".
Ähnlich skurrile Erklärungsversuche hätten die Tester auch beim Ford-Slogan "Feel the difference" erlebt, dem einzigen, den immerhin mehr als die Hälfte korrekt mit "Spür den Unterschied" übersetzen konnten. Manche der befragten Konsumenten glaubten dagegen, der Satz hieße "Fühle das Differenzial" oder auch "Ziehe die Differenz". Die Studie soll laut "Spiegel" in der kommenden Woche veröffentlicht werden.
17.06.06
Aktion "Lebendiges Deutsch"
Die Stiftung Deutsche Sprache sucht durch die Aktion "Lebendiges Deutsch" Übersetzungen für überflüssige Anglizismen, dabei kann jede und jeder Vorschläge machen. Die bisher gefunden Übersetzungen sind:
Aktionärsnutzen für Shareholder Value
Startseite für Homepage
Nachsteller für Stalker
Startuhr für Countdown
Schrottanleihen für Junk Bonds
Aussetzer für Blackout
Klapprechner für Laptop und Notebook
Prallkissen für Airbag
08.04.06
Hessischer Landtag gegen Anglizismen
"Die Fraktionen des Landtages haben die zunehmende Invasion von englischsprachigen Ausdrücken in die deutsche Sprache beklagt. Dabei machen die Politiker häufig selbst vom "Denglisch" Gebrauch.
Ihr Appell: Nicht nur in Schulen und Kindergärten, sondern auch in Behörden solle wieder stärker auf gutes Deutsch geachtet werden, forderte der CDU-Abgeordnete Aloys Lenz am Mittwoch im Landtag. Auch die Abgeordneten sollten „dümmliche Anglizismen“ wie Give-away, Hand-out, Kick-off-meeting oder Get together vermeiden, wünschte sich Lenz.
Politker sprechen selbst „Denglisch“
Dem stimmte die Opposition aus vollem Herzen zu, beschuldigte aber die Landesregierung einer Vorliebe für englische Plattheiten. Ruth Wagner (FDP) kritisierte die Bezeichnung für den EDV-Beauftragten der Landesregierung als ‚Chief Information Officer‘. Frank Kaufmann (Grüne) setzte noch einen drauf und ernannte den neuen Europaminister Volker Hoff (CDU) zum CBO - sprich „Chief Babbel Minister“, „weil er eh nur Sprechblasen produziert“. Ex-Kultusminister Hartmut Holzapfel (SPD) spottete über missglückte Werbesprüche wie ‚powered by emotion‘: „Die Älteren unter uns übersetzen das als ‚Kraft durch Freude‘, die Jüngeren als ‚von Gefühlen gepudert‘“."
Quelle: http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/index.jsp?rubrik=15662&key=standard_document_20560052
22.03.06
Deutsche Sprache für EU-Politiker
Heißt es die, der oder das Märchen? Sogar die Kommissare in Brüssel nehmen Unterricht und verhelfen der Sprache zu einer regelrechten Karriere.
Siim Kallas ist als EU-Kommissar zuständig für eine transparente Verwaltung. Der Ex-Premier aus Estland geht auch persönlich mit gutem Beispiel voran. Er ist einverstanden, sich in einer Situation beobachten zu lassen, die für einen Erwachsenen nicht einfach ist. Der 57-Jährige ist dabei, eine neue Sprache zu lernen, die es lange schwer hatte, sich in den EU-Institutionen zu behaupten, aber dort inzwischen immer mehr Anhänger findet. Siim Kallas paukt Deutsch.
Es ist vier Uhr nachmittags, als die Sprachlehrerin des Goethe-Instituts, Margit Pfaender, das Büro des Kommissars betritt. Auf dem Schreibtisch steht eine Wasserflasche neben aufgeschlagenen Papieren. Zwei leere Kaffeetassen sind von einer Besprechung übrig geblieben. Aus der Normalität seines Arbeitstages zieht Siim Kallas an den großen Holztisch in der Mitte des Zimmers um. Die europäische Führungskraft wird kurzfristig wieder zum Schüler. Er räuspert sich, blickt aufmerksam auf seine Lehrerin. Seine 12. Deutschstunde beginnt.
"Die Erweiterung hat die deutsche Sprache aufgewertet", stellt der Leiter der Sprachabteilung im Brüsseler Goethe-Institut, Johann Greimel, zufrieden fest. Dank der neuen Staaten aus Mittel-und Osteuropa steht Deutsch in der Europäischen Union jetzt hinter Englisch an der zweiten Stelle der am meisten gebrauchten Sprachen. Das strahlt auch nach Brüssel aus. Seit das Goethe-Institut den Zuschlag für die Deutschkurse bekommen hat und der deutsche EU-Botschafter sich mit Verve für die Sprache Goethes ins Zeug legt, ist Margit Pfaender rund um die Uhr beschäftigt.
Die zierliche blonde Lehrerin übt nicht nur mit Kommissar Kallas. Sie trainiert auch den lettischen Energiekommissar Andris Piebalgs und die polnische Regionalkommissarin Danuta Hübner. Zusätzlich gibt sie individuelle Deutschstunden für 15 Mitglieder aus den Führungsstäben der Kommissare und Kurse für weitere neun leitende Beamte. Das neu erwachte Interesse an Deutsch in der EU-Zentrale geht auch auf eine neue interne Karriere-Vorschrift zurück. So muss hier jeder Beamte, der etwas werden will, in mindestens zwei Fremdsprachen fit sein.
Siim Kallas kann außer seiner Heimatsprache Englisch und Russisch. Er hat auch Französisch gepaukt. Nun ist Deutsch dran. Er ist in Estland mit Deutsch aufgewachsen, ohne die Sprache zu begreifen "Die Eltern haben es häufig gesprochen", aber ihn haben die deutschen Begriffe als Kind nur umschwirrt. 40 Jahre danach will er diese Wort-Wolke bändigen. "Ich habe decided zu entwickeln ein System." Er will deutsche Bücher lesen können und "ein paar Worte mit Günter Verheugen wechseln", dem Industriekommissar aus Deutschland.
Margit Pfaender hat ihm die Namen bekannter Deutscher auf einen Zettel getippt, die alle im Februar Geburtstag haben. Kallas soll sagen, was ihm dazu einfällt. Erich Kästner - "ich weiß nicht". Hans und Sophie Scholl? "Kämpfer gegen Nazismus", sagt Kallas. "Weiße Rose, na ja, das ist ein Film. Ich habe gelesen - earlier - über diese Scholl." Kallas hat eine kräftige Stimme. Sie singt und schwingt, wenn er spricht. Er hantiert mit den Wörtern wie an einer Werkbank.
Das Büro des Kommissars wird beherrscht von zwei Riesenfotos seiner Heimatstadt Tallinn. Vor dem Fenster ragen die großen Kräne der Dauerbaustelle Brüssel empor. Wer Kallas transparente Deutschstunde für keine große Tat hält, der hat sich in späten Jahren wohl noch nie unbeholfen gefühlt beim Versuch, aus unvertrauten Worten Sätze zu formen. Laut der neuesten Eurobarometer-Umfrage haben die meisten Europäer immer noch wenig Lust, ihre Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern. 44 Prozent aller Europäer können keine andere Sprache als die eigene.
Umso mehr gilt Margrit Pfaenders ganzer Stolz ihren Schülern. Etwa dem schwedischen Beamten aus der Generaldirektion Soziales, der häufig Vorträge in Deutschland hält und sich nicht hinter einem fremden Idiom verstecken will, wenn er dort über Arbeitslosigkeit sprechen muss. Besonders gerne erinnert sich die Lehrerin an ihren Schüler Frits Bolkestein. Ex-Kanzler Schröder hat den früheren Binnenmarkt-Kommissar den "unsäglichen Holländer" genannt, weil er der Bundesregierung immer dazwischenfunkte. Pfaender aber lässt nichts auf diesen "großen Freund der deutschen Sprache" kommen. Bolkestein habe Schiller und Kleist geliebt und zweieinhalb Jahre "geduldig mit dem Dativ und dem Akkusativ gekämpft".
Das ist Vergangenheit. In der neuen EU-Kommission geht im zwölften Stock die Unterrichtsstunde für Siim Kallas zu Ende. Heißt es die, der oder das Märchen? Der Kommissar verheddert sich. "Warum diese Artikeln?" klagt er. Immerhin: "Es ist gut, dass Sie keine Angst haben zu sprechen", lobt die Lehrerin. Siim Kallas lässt das nicht gelten: "Ich habe Angst vor Französisch."
Quelle: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/280205
20.03.06
Wieviel "Shopping" verträgt die Stadt?
Streit über die Ansiedlung von Einkaufszentren spitzt sich zu - Nebenlagen geraten auf Abstellgleis
Berlin - Neue Erkenntnisse über die Auswirkungen von Einkaufszentren auf Stadtentwicklung, Einzelhandel und Standortqualität lassen Zweifel aufkommen, ob sich der Boom der Einkaufscenter auch in Zukunft der Unterstützung durch die Politik wird erfreuen können. Als jetzt das Deutsche Seminar für Städtebau und Wirtschaft (DSSW) mit Experten in Berlin Konzepte für "Erfolgreiche Innenstädte" (so der Tagungstitel) diskutierte, geriet die "Weiterentwicklung des Handels" unweigerlich ins Visier. Und da waren es vor allem Forschungsergebnisse der Soziologin Monika Popp (Universität München), die die zahlreich angereisten Kommunalvertreter irritierten.
Schon vor fünf Jahren hatte die Wissenschaftlerin in einer repräsentativen Studie am Beispiel von Städten in Bayern den Mythos von den "Frequenzbringern" entzaubert, der immer wieder als Begründung für die Ansiedlung neuer Center herhalten muß. Der erhoffte "Kopplungseffekt" stelle sich nur im Nahbereich der Malls ein, während der innerstädtische Haupteinkaufsbereich auf Grund der Sogwirkung des Einkaufscenters schrumpft. Die Folge, so Popp: "Die Nebenlagen gleiten regelmäßig in den Abstieg."
Die von ihr ermittelte Gesetzmäßigkeit belegte die Wissenschaftlerin in Berlin mit folgenden Zahlen. Danach "koppeln" 60 Prozent der Kunden ihre Einkäufe in der Innenstadt von Fürth mit Einkäufen im Einkaufscenter, umgekehrt sind es nur 50 Prozent. In Marktredtwitz ist die Diskrepanz mit 63:48 Prozent noch größer, Zahlen die umsomehr verwundern, als das untersuchte Center in beiden Städten zentral in der Innenstadt liegt. Eine deutlich größere Differenz ergibt sich dort, wo die Kunden einen Weg von mehreren 100 Metern zwischen Stadtmitte und Einkaufszentrum zurücklegen müssen: In Ansbach (200 m) lautet das Zahlenverhältnis 48:35, in Abensberg (hier beträgt die Distanz 1200 Meter) 38:23 Prozent.
Ihre Aussagekraft erlangen diese Angaben vor allem deshalb, weil sich die Wissenschaftlerin ausdrücklich zum planerischen Steuerungsinstrument Einzelhandel bekennt: "Wir brauchen Magneten, um Besucher in die Stadt zu bekommen und um sie 'richtig' zu verteilen." Die Kommunalpolitik müsse sich hingegen klarmachen, daß jeder Eingriff seine Folgen habe. So müsse man sich in den Rathäusern vor der Ansiedlung von "Frequenzbringern" fragen, was aus den Nebenlagen werden soll, die dann unaufhaltsam abrutschen. Dabei werde die Kommunalpolitik mit einem Paradox konfrontiert: Um überhaupt Magnetwirkung über den Standort hinaus zu entfalten, dürfe ein Einkaufscenter nicht kleiner als 7000 qm sein. Doch für kleine Städte laufe das auf eine Verlagerung sogar der 1a-Lage ins Einkaufscenter hinaus - mit allen damit verbundenen Effekten der Stadtverödung.
Parallel zu der Tagung in Berlin zeichnet sich auch in der Politik Bewegung ab. "Ich will keine Slums und überall nur noch Ein-Euro-Läden", markierte inzwischen Oliver Wittke, CDU-Bauminister in NRW, die Leitlinie seiner Politik. Schon jetzt gebe es bis zu zehn Prozent Leerstände in den NRW-Innenstädten. Wenn die Verödung der Innenstädte nicht gestoppt werde, sei eine Amerikanisierung der Stadtzentren mit zunehmender Flucht des Handels und der Wohnbevölkerung zu befürchten. Zur Revitalisierung der Innenstädte werde es in Kürze Gespräche mit Kommunen, Einzelhandel und Immobilieneigentümern geben.
Inzwischen ist das Thema auch in Berlin angekommen. Bei ständig expandierender Verkaufsfläche durch immer neue Center (jährlich plus 1,5 Prozent = 500 000 qm) und bei gleichzeitig sinkenden Konsumausgaben (1994: 32 Prozent, 2004 nur noch 25 Prozent des privaten Haushaltsbudgets) sei der Marktanteil des privaten Einzelhandels von 27,4 auf 24,1 Prozent geschrumpft, während die Discounter ihre Position im gleichen Zeitraum von 8,8 auf 11,5 Prozent ausgebaut hätten, rechnete Wirtschaftsstaatssekretär Georg-Wilhelm Adamowitsch auf der DSSW-Tagung vor. Daß diese Entwicklung voll zulasten der Städte, speziell der Innenstädte geht, unterliegt laut Adamowitsch keinem Zweifel.
Quelle: http://www.welt.de/data/2006/03/07/856024.html
19.03.06
Offizielle Wortpaten gesucht
Jedermann ist aufgerufen, Pate für sein Lieblingswort zu werden. Mit dem „Internationalen Tag der Muttersprachen“ hat der Verein Deutsche Sprache dafür - soweit fassbar - den gesamten deutschen Wortschatz im Internet eingestellt.
Alle zwei Wochen stirbt eine von 6.000 Sprachen weltweit. Auch in Deutschland veröden ganze Wortlandschaften. Mäßiges Englisch und krudes Denglisch überall. Die Gründe sieht der Verein in der weltweiten Amerikanisierung über Internet und Massenmedien und auch in der eigenen Nachlässigkeit. „Wir achten nicht genug auf die Sprache, die wir alltäglich sprechen; wir achten sie nicht. Der enge Zusammenhang zwischen Sprache, Geist und Kultur - auch Wirtschaft und Wohlstand - ist uns nicht bewusst“, so die Initiatoren auf ihrer Internetseite.
Deutsch gehört immerhin zu den drei meistgelernten Sprachen weltweit und fast ein Fünftel aller Bücher, die jährlich weltweit herausgegeben werden, erscheinen auf deutsch - immerhin 60.000 Neuerscheinungen. Im Internet ist Deutsch die weltweit zweithäufigst benutzte Sprache, um nur einige Eckzahlen zu benennen.
Deutsch ist Amtssprache in Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg, Belgien und Italien, genießt offiziellen Status in Frankreich und wird in etlichen Sprachinseln Mittel- und Osteuropas gesprochen.
Der Pate wird in der Datenbank des Verin Deutsche Sprache (VDS) sichtbar eingetragen und erhält eine Urkunde, die ihn als „offiziellen Wortpaten“ ausweist. Pate werden kann man für einzelne Wörter, Sprichworte, Wortpaare und Namen.
Erste Wortpaten sind Prominente wie Ulrich Wickert („Freiheit“), Iris Berben („Silberhochzeit“) und Bastian Sick („einander“). Auch Firmen und Institutionen haben sich bereits entschieden, Worte besonders zu schützen: Unter anderem hat die Bertelsmann AG den Begriff „Verantwortung“ unter ihre Obhut genommen und Weimar das Wort „Kulturhauptstadt“.
„Wenn die offiziellen und bezahlten Sprachhüter in Deutschland schlecht arbeiten, müssen sich die Bürger der Muttersprache annehmen und etwas für deren Pflege und Erhaltung tun“, so Gerd Schrammen, stellvertretender Vorsitzender des VDS.
Die Wortpaten sollen mit dem Wort sorgsam umgehen. „Es vielleicht mehrmals täglich benutzen, andere darauf hinweisen, dass es dieses deutsche Wort gegenüber etwaigen Anglizismen - etwa Fahrschein statt Ticket - gibt, sich damit irgendwie beschäftigen“, ergänzt Tobias Mindner, VDS-Pressesprecher, gegenüber Netzkritik.de. „Sei es durch Kunstaktionen (das Wort auf die Straße malen, es als Anstecker tragen), sei es in Leserbriefen an Zeitungen, sei es durch Beschreibungen bei Wikipedia. Der Phantasie und Schönsinnigkeit sind keine Grenzen gesetzt.“
Und es gibt viel zu tun: In der Datenbank des Vereins befinden sich gegenwärtig mehr als 350.000 Wörter, die aus mehreren Wörterbüchern stammen und auch deutsche Texte aus vergangenen Zeiten umfassen.
Die Patenschaft kostet einmalig fünf Euro. „Die Einnahmen kommen zunächst ganz allgemein dem VDS zugute, als Spende. Der VDS setzt sie in igendeiner Weise für die Sprachpflege ein: Sei es mit Werbung, sei es mit weiteren Kampagnen, sei es mit dem Bau eines Leuchtturms für die deutsche Sprache in Weimar, sei es mit der Errichtung eines ‚Hauses der deutschen Sprache‘ in Berlin - als Gegenstück zur ‚academie francaise‘“, so Tobias Mindner.
Quelle: http://www.netzkritik.de/art/434.shtml
17.03.06
Filmförderung muss zentralisiert werden
Filmproduzentin Regina Ziegler fordert mehr Geld für den deutschen Film
Die deutsche Filmproduzentin Regina Ziegler hat eine Zentralisierung der Filmförderung gefordert. Dabei müsse genügend Geld zur Verfügung stehen, damit der deutsche Film international konkurrenzfähig bleibe. Die 30 Millionen Euro, die bei der vorherigen Bundesregierung im Gespräch gewesen seien, seien "viel zu wenig", sagte Ziegler im Deutschlandradio Kultur anlässlich des geplanten Konzepts der Bundesregierung zur privaten Filmförderung.
Deutschlandradio Kultur: Auf der Berlinale, Frau Ziegler, waren die deutschen Filme nicht nur besonders stark vertreten, sondern auch dauerhaftes Gesprächsthema. Welche Rolle spielen die Produktionen aus Deutschland Ihrer Meinung nach? Finden Sie, dass sie inhaltlich stärker geworden sind, obwohl wir auch schon vor zwei Jahren starke Filme hatten wie "Gegen die Wand" beispielsweise?
Ziegler: Ich glaube, das Angebot des deutschen Films hat sich vergrößert. Es gibt mehr deutsche Filme und es gibt vielfältigere deutsche Filme. Die vier Wettbewerbsbeiträge unterscheiden sich ganz wesentlich vom Genre her. Und was da noch im Panorama und in den anderen Sektionen lief, ist wirklich sehr, sehr überzeugend. Übrigens habe ich einen Film persönlich vermisst: "Das Leben der anderen", das ist ein Film, der mich so fasziniert hat, dass ich mich wirklich gefragt habe, warum lief dieser Film nicht bei den Filmfestspielen?
Deutschlandradio Kultur: Ist denn die Berlinale aus Ihrer Sicht mehr als nur eine Leistungsschau des deutschen Films? Ist sie Plattform für internationales Durchstarten, wie z.B. für "Good bye Lenin" oder "Gegen die Wand", vielleicht sogar für Erfolg?
Ziegler: Die Berlinale ist eine gute Plattform wie man sieht, gerade an "Good bye Lenin", an "Gegen die Wand". Aber die Berlinale ist noch sehr viel mehr. Ich bin ein bisschen heiser, denn die Berlinale ist natürlich der Treffpunkt der Produzenten aus aller Welt. Man redet über Projekte, und es hat sich herausgestellt, man redet nicht nur darüber, sondern man macht es auch zusammen. Es gibt Verabredungen für deutsch-polnisch-französische Koproduktionen. Oder aber für Filme, die einen presale, also einen Vorverkauf bekommen. Und es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass die shakehand deals dann auch realisiert werden können.
Deutschlandradio Kultur: Das heißt, für Sie als Produzentin ist der europäische Filmmarkt ganz besonders wichtig?
Ziegler: Ganz besonders wichtig. Wir haben hier auf dem Filmmarkt die "Unkenrufe" gezeigt, das ist der letzte Spielfilm nach dem Roman von Günter Grass, der übrigens, wenn ich das mal sagen darf, auch als Eröffnungsfilm meiner Retrospektive im April im MoMA in New York läuft. Diese "Unkenrufe" sind hier gezeigt worden, und ich habe gestern meinen Weltvertriebspartner getroffen, der hatte richtig gute Laune.
Deutschlandradio Kultur: Gar nicht so gute Laune hatte im vorigen Jahr die deutsche Kinobranche, auf jeden Fall die Kinobesitzer, weil 2005 ein ziemlich schlechtes Jahr war. Wir hatten insgesamt 30 Millionen weniger Kino-Zuschauer als noch im Jahr 2004. Und damit ist Deutschland eigentlich nur noch Mittelmaß. Was halten Sie von den Diskussionen um eine Kino-Krise, die ja auch in gewissem Maße eine Krise des deutschen Films war? Trotz Erfolgen wie "Die weiße Massai", "Sophie Scholl" oder "Alles auf Zucker" verlor das deutsch Kino zehn Prozent der Besucher. Was sind Ihrer Meinung nach die Ursachen für die mangelnde Attraktivität des internationalen deutschen Kinos gewesen?
Ziegler: Das stimmt natürlich nicht so ganz, dass der deutsche Film an der Kino-Krise Schuld haben sollte. Das muss ich wirklich ganz energisch bestreiten.
Deutschlandradio Kultur: Mitschuld.
Ziegler: Die Kinokrise entsteht dadurch, dass der DVD-Markt ansteigt. Viele Leute haben es lieber bequemer zuhause. Das hat es früher nicht gegeben: Sie kriegen fast jeden Film über den Video-Verleih und dann gibt es auch noch den Fernsehsender Premiere. Das sind alles zusätzliche Möglichkeiten, Kinofilme zu sehen und viele Leute überlegen sich, bevor sie aus dem Haus zu gehen, mit dem Auto vielleicht keinen Parkplatz finden, ins Kino gehen - da können sie sich auch für vier, fünf oder acht Euro ein, zwei DVDs ausleihen und einen wunderbaren, gemütlichen Abend zuhause machen. Das hat sehr viel dazu beigetragen, dass die Kino-Krise eben so ist wie sie ist, denn die Kino-Krise ist weltweit eingetreten und nicht nur in Deutschland. Und dass es mal ein Jahr gibt, in dem der deutsche Film besser läuft, und in einem anderen weniger gut läuft, das wissen wir doch. Wahrscheinlich haben wir dieses Jahr ein richtig gutes Kino-Jahr und werden uns freuen, wenn wir im nächsten Jahr einen Rückblick machen.
Deutschlandradio Kultur: Ein bisschen widersprechen muss ich Ihnen doch. In Großbritannien zum Beispiel gab es nicht nur mehr Kino-Besucher als im Jahr zuvor, Großbritannien war auch das einzige Land in Europa mit einem Plus von einem Prozent. In England ist auch der DVD-Markt sehr viel wichtiger als in Deutschland. In England werden nicht nur mehr DVDs verkauft, der ganze Markt ist viel größer. Also, die Kinokrise scheint nicht für alle Märkte gleich zu gelten.
Ziegler: Aber vielleicht haben die Engländer mehr Geld. Wir wissen ja, dass die Deutschen weniger Geld verdienen. Das hat sich ja gezeigt, dass alles viel teurer geworden ist, und ich weiß einfach von vielen Freunden und Kollegen, dass die sich überlegen, ob sie ins Kino gehen oder sich zu Hause eine DVD anschauen.
Deutschlandradio Kultur: Aber ist es nicht auch so, dass das Ambiente des Kinos eine große Rolle spielt? Wenn ich ins Theater gehe, dann weiß ich, das ist ein gewisser, festlicher Rahmen, es ist zumindest, sagen wir mal, etwas höher angesiedelt. Im Kino ist das häufig nicht der Fall, gerade bei den Multiplexen. Immer weniger Deutsche gehen ja auch ins Kino, weil es für die Erwachsenen zu wenig Komfort bietet, für das Geld, was sie bezahlen, dafür gibt es zuviel Cola-Popcorn-Ambiente. Das heißt, die Besucher regen sich auf, und sagen: Immer wird geknistert mit den Tüten, wird gelacht, die Handys klingeln. Den Jüngeren aber ist ein Kino-Komplett-Besuch, also mit Cola und Popcorn, einfach zu teuer. Muss da sich nicht auch etwas verändern, was das Kino angeht?
Ziegler: Das muss man ganz sicher verändern und das muss man auch bedenken. Aber man muss auch sehen, dass die Kinos, die dieses große Ambiente, was Sie eben geschildert haben, haben, eben alle auf der Strecke geblieben sind. Gehen Sie von Berlin aus, nehmen Sie den Gloria-Palast, nehmen Sie das Astor. Das sind ja die Kinos, die wir geliebt haben. Und da gibt es ja Gott sei Dank noch das Filmkunst 66. Da hat man ja Gott sei Dank noch das schöne große Kino-Erlebnis und den bequemen Kino-Sessel und kein Popcorn.
Deutschlandradio Kultur: In Deutschland kamen im vorigen Jahr 146 deutsche Filme in die Kinos, sogar mehr als amerikanische, das waren nämlich 139 Filme. Dennoch hatte der deutsche Film einen Marktanteil von cirka zwanzig Prozent. Da kann man nicht wirklich von einer schlagkräftigen, einheimischen Kino-Industrie reden. Die Frage, die ich mir immer stelle, ist: Brauchen wir in Zeiten der Globalisierung und eines vereinten Europas immer noch die regionale Filmförderung? In Frankreich beispielsweise, wo sehr viel mehr zentral gefördert wird, hält das einheimische Kino einen Marktanteil von 40 Prozent. Machen wir in Deutschland bei der Filmförderung nicht auch etwas falsch?
Ziegler: Also grundsätzlich ist es erstmal so: Die Franzosen lieben ihr Kino, und der französische Film hat ja in seinem eigenen Land immer unheimliche Chancen, unheimliche Möglichkeiten, und wurde immer angenommen. In Deutschland ist das ja nicht so. In Deutschland wird der deutsche Fernsehfilm mit den deutschen Schauspielern sehr gerne angenommen, hat hohe Quoten, und gilt besonders im fiktionalen Bereich als richtig erfolgreich. Aber die deutschen Schauspieler im Kino sind nicht so angenommen wie die amerikanischen Stars, das muss man einfach sehen. Wenn ein Film mit Brad Pitt z.B. oder mit George Clooney oder wem auch immer, in dieser Wertigkeit und in dieser Größenordnung nach Deutschland kommt, dann hat er erstmal einen Vorlauf, den muss ein deutscher Schauspieler sich erarbeiten. Weil wir in Deutschland gar nicht den Unterschied haben zwischen Fernsehschauspieler und Kinoschauspieler. In Amerika ist das anders. Da sehen Sie Brad Pitt oder George Clooney nicht im amerikanischen Fernsehen. Dann müssen Sie sich schon ins Kino bewegen, wenn Sie den sehen wollen. Das ist hier sicher eine Schwierigkeit. Aber was die regionale Filmförderung betrifft, gebe ich Ihnen absolut Recht. Ich bin ein absoluter Befürworter der Zentralisierung der Filmförderung, weil ich glaube, dass das einfach Sinn macht, dass der europäische Gedanke nur so weiter getragen werden kann, und wir dürfen uns nicht verschließen, denn wenn man A sagt, muss man auch B sagen, sonst braucht man nicht A zu sagen.
Deutschlandradio Kultur: Haben Sie die Hoffnung, dass sich da auf absehbare Zeit etwas bewegt?
Ziegler: Da wir alle daran arbeiten - und es ist ja nicht so, dass hier irgendwelche Trotzköpfchen rumschwirren, sondern alle der Meinung sind, man muss die Dinge nach vorne bringen, man muss über den Tellerrand hinausschauen, und man darf nicht in seinem eigenen Saft schmoren, sonst gibt es nur Mittelmäßigkeit - habe ich bestimmte Hoffnungen.
Deutschlandradio Kultur: Die Produktion eines Films ist ja immer ein Risiko, sowohl finanziell als auch wegen der nicht kalkulierbaren Akzeptanz durch die Zuschauer. Es geht mir um die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Bis zum 1. Juni will die große Koalition ein mit den anderen EU-Ländern vergleichbares Konzept zur privaten Filmförderung vorlegen. Frau Ziegler, wie sollte, wie könnte das denn aussehen?
Ziegler: Es muss auf jeden Fall so aussehen, dass die Mittel als Alternative da sind, die über die Fonds nicht mehr fließen können. Und das sind ja sehr hohe Beträge. Von Bundeskanzler Schröder sind mal 30 Millionen Euro in der Vorphase genannt worden. Das ist viel zu wenig. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Es muss eine Möglichkeit gefunden werden, richtig Geld zur Verfügung zu stellen, indem man vielleicht Sonderregelungen trifft, die ganz speziell nur für den deutschen Film gelten. Denn die Stahlindustrie ist schon immer subventioniert worden, da spricht gar keiner drüber, und die großen Konzerne zahlen fast alle nicht so richtig Steuern, wie wir wissen, und lassen im Ausland produzieren und haben Sonderkonditionen. Der deutsche Film hat nie diese Lobby gehabt und ich kann nur hoffen, dass das jetzt anders wird und dass wirklich Geld zur Verfügung steht, um konkurrenzfähig zu sein, um auch Filme zu machen, die dem Look, dem amerikanischen Look, mit einer deutschen Handschrift standhalten können.
Deutschlandradio Kultur: Also der Film mehr als Wirtschaftprodukt denn als Kulturprodukt?
Ziegler: Kultur und Wirtschaft gehören ja zusammen. Film war schon immer ein Kultur- und Wirtschaftsfaktor. Und ich möchte das und werde das nie trennen.
Deutschlandradio Kultur: Es gibt ja gewisse Gefahren. Die Amerikaner versuchen, die europäische Filmförderung ein bisschen auszuhebeln. Die sehen das als unlautere Konkurrenz und versuchen über Organisationen wie die WTO zum Beispiel das, was man in Frankreich exception culturelle nennt, also diese Ausnahme für Kulturgüter, aufzuheben. Sind Sie sich dessen auch bewusst als Produzentin mit Ihren Kollegen und Kolleginnen, dass da eine Gefahr besteht, dass die Amerikaner sehr viel Einfluss ausüben, um das ganze System der europäischen Filmförderung überhaupt in Frage zu stellen?
Ziegler: Das ist wirklich ganz furchtbar. Und es stimmt, was Sie sagen. Wir sehen die Gefahr. Wir hoffen, dass es in Brüssel da Lösungen gibt, die einfach diese Dinge einbremsen. Das kann man ja weiterführen: Für mich ist es unverständlich, dass zum Beispiel Springer nicht die Genehmigung bekommen hat, die Rechte von Pro 7/SAT 1 zu übernehmen. In Deutschland gibt es ja überhaupt keine Regelung. In Frankreich ist es so, dass Ausländer sich bis maximal 49 Prozent an solchen Unternehmen beteiligen dürfen. In Deutschland hat man ja gesehen, was passiert. Universal hat XXP übernommen - und da läuft jetzt Universal-Programm. Das sind ja überhaupt keine deutschen Programme mehr. Und wenn jetzt für Pro 7/SAT 1 eine andere Lösung gefunden wird, die keine nationale Lösung ist, dann wird für uns Produzenten - Ziegler-Film ist ein mittelständisches Unternehmen - ein weiterer Auftraggeber entfallen, und das ist Existenz gefährdend.
Regina Ziegler wurde am 8. März 1944 in Quedlinburg geboren, die Familie floh Ende des Zweiten Weltkriegs ins Weserbergland, wo sie ihre Kindheit und Jugend verbrachte. Nach dem Abitur begann sie ein Jurastudium in Berlin, was sie allerdings nach einem Semester abbrach. Von 1964 bis 1973 arbeitete sie als Produktionsassistentin beim Sender Freies Berlin (SFB). 1973, mit 29 Jahren, gründete sie ihre eigene Produktions-Firma. Ihr erster Film, den sie ausschließlich mit eigenen Mitteln finanzierte, "Ich dachte, ich wäre tot", gewann den Bundesfilmpreis. Seitdem hat Ziegler viele Preise gewonnen, u.a. die Goldene Schale (1977) für "Heinrich", den Adolf-Grimme-Preis (1990) für den Dokumentarfilm "November Days" und den Denver Obelisk (1994) für ihr Filmschaffen. Außerdem wurde sie 1999 mit dem Adolf-Grimme-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Ihr Genre reicht von Fernsehfilmen über Theateraufzeichnungen bis zu Kinofilmen und internationalen Koproduktionen. Regina Ziegler ist die erfolgreichste Filmproduzentin Deutschlands.
Quelle: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/tacheles/470794/
16.03.06
Der Finger auf den Fehlern
"Lesung: „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“: Bastian Sick trägt aus seinem Buch vor
DARMSTADT. „Wir hatten schon befürchtet, dass Sie wegen dem Schnee nicht kommen können“, wurde Bastian Sick dieser Tage in München begrüßt, wie er berichtete. Seine Erwiderung: „Wegen dem Schnee mach ich mir keine Sorgen, nur wegen dem Genitiv!“
Auf Einladung der Reihe „Forum Wissen“ stellte Sick im Vortragssaal der Universitäts- und Landesbibliothek im Darmstädter Schloss am Mittwoch den zweiten Band seiner Kolumnen vor. Vom Schlussredakteur bei „Spiegel“-Online zum „vagabundierenden Autor“ avanciert, erzählte Sick, wie alles begann: Angeregt durch das Korrigieren sprachlicher Patzer, habe er kleine Memos an die Kollegen verfasst, die sich 2003 zur Kolumne „Zwiebelfische“ auswuchsen.
Inzwischen tröste ihn Freundin Sybille mit liebevoll gemeinten Redewendungen: „Das Leben als Autor ist kein Kinderschlecken!“, oder „Lass doch alle Viere gerade sein“, und zu guter Letzt: „Ewig währt am längsten!“ Sick verpackt Grammatik in Glossen, die Absurdes mit Komik herausstreichen. Mit schauspielerischem Talent setzte der Autor in seinem Vortrag zusätzliche Pointen. Als Pfadfinder im „Irrgarten der deutschen Sprache“ (Sick über sich) markiert er Schnitzer: beispielsweise wie verkehrt der beliebte Imperativ oft daherkommt. „Fress oder sterbe!“, ist zu lesen.
Amerikanisierung des Deutschen bei Verlust des französischen Spracherbes wird nach Sick kaum noch bemerkt. Dabei sind die aparten „Mannequins“ zu „Models“ mutiert, und wir trinken Kaffee im „Coffeeshop“, haben kein „Rendezvous“ mehr, sondern ein „Date“, während der „Charmeur“ zum „Womanizer“ heruntergekommen ist. Wahrlich, eine merkwürdige Sprachwelt, in der wir den „alten Greis“ in der Baumallee „zu Fuß gehen“ lassen, während ein „schneller Raser“ die Straße unsicher macht. Dass sich jeder an die eigene Nase fassen kann, ob der sprachlichen Verfehlungen, mit denen er seine „persönliche Meinung“ kundtut, machte Sick den Zuhörern im mit so viel Humor klar, dass diese nach viel Applaus eine Zugabe erbaten. Und da er am Internationalen Frauentag in Darmstadt war, entzückte Sick mit der „ersten weiblichen Pilotin“. Zwei Gauner schließlich drohten insolventen Kunden mit „Schlägerinnen und Schlägern“."
Bastian Sick: „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod – Folge 2“. Erschienen im Verlag Kiepenheuer und Witsch in Köln, 224 Seiten, 8,95 Euro.
Quelle: http://www.echo-online.de/suedhessen/template_detail.php3?id=358938
14.03.06
Werbung wird wieder deutsch?
"Hätte man noch vor zwei Jahren eine Werbung der amerikanischen Fastfood-Kette McDonalds gesehen, wäre man um den Werbeslogan „Every time a good time“ wohl kaum herum gekommen. Schaut man sich heute allerdings die Werbung von McDonalds an, heißt es am Ende eines jeden Werbespots fröhlich „Ich liebe es“. Die Konzerne in Deutschland entdecken scheinbar die deutsche Sprache wieder für sich und verwenden immer mehr deutsche Slogans. Schluss mit dem so genannten Denglisch – einer Mischung aus Deutsch und Englisch! Deutsch ist cool, und davon sind mittlerweile nicht nur Sprachschützer überzeugt. Für die deutsche Jugend tut es eigentlich wenig zur Sache, ob die Werbung englische oder deutsche Slogans verwendet. Schließlich lernen wir alle Englisch in der Schule – die einen mehr, die anderen weniger gut – aber wir lernen es und sind in der Lage die meisten Slogans zu verstehen. Aber wie sieht es mit der etwas älteren Generation aus? „Leider gibt es immer noch zu viele Firmen, die meinen, man können mit dem Englischen punkten,“ meint Walter Krämer, Vorsitzender des Vereins Deutsche Sprache (VDS), gegenüber spiegel-online. „Aber dieser Unfug wird sich entlarven, weil nicht jeder die Botschaft versteht.“
Man weiß nicht, ob man darüber lachen oder darüber weinen soll. Einerseits ist es zwar lustig, wenn man folgenden Abschnitt liest. Andererseits sollte er zum Denken anregen. Weniger was die Englischkenntnisse einiger deutscher Mitbürger angeht, sondern dass die englischen Werbeslogans nur bedingt verstanden werden. Bleiben wir doch direkt bei dem Beispiel, das wir auch am Anfang dieses Artikels hatten: „Every time a good time“ von McDonalds wird nur von rund 59 Prozent der repräsentativ Befragten Menschen korrekt übersetzt. Die Teilnehmer dieser Untersuchung waren zwischen 14 und 59 Jahre alt – eine Zielgruppe, die gerade in der Werbebranche als die kaufkräftigste und somit attraktivste gilt. Werden wir noch konkreter. Mitsubishi stiftete beispielsweise mit ihrem Werbeslogan „Drive Alive“ sehr große Verwirrung in Deutschlands Wohnzimmern. Denn nur 18 Prozent der Befragten verstanden ihn so, wie es sich Mitsubishi gedacht hat: „Lebendiges Fahren“. Viel mehr Leute verstanden den Slogan allerdings vollkommen falsch und interpretierten sogar die Botschaft „Überleben Sie die Fahrt in unserem Auto“ in den Slogan hinein. Und mit dem Sat.1-Motto „Powered by emotion“ assoziierten die Zuschauer viel zu häufig „Kraft durch Freude“.
Diese kleinen Beispiele zeigen, dass es vielleicht gar nicht so sinnlos wäre, Englisch aus deutscher Werbung verschwinden zu lassen. Der Kampf gegen Denglisch ist aber nach Ansicht von Sprachschützern wie Walter Krämer noch nicht ausgetragen. Sie verlangen, dass Anglizismen nicht nur aus der Werbung, sonders aus der ganzen deutschen Sprache verschwinden sollen. Dann gäbe es bald keine Laptops mehr, der Hamburger würde nicht mehr Hamburger heißen und es würde keine Discos oder Clubs mehr geben. Überhaupt müsste einiges überdacht und neu betitelt werden. Ob das nötig ist, sei einmal dahin gestellt. Fakt ist allerdings, dass Deutsch wieder in Mode gerät.
Quelle: http://www.dbna.de/aktuell/reportagen/040417-denglisch.php
Hamburger dürften nicht mehr Hamburger heißen? Na hoffentlich dürften Berliner noch Berliner heißen...
13.03.06
Über Brainstorming für Global Player
"Sie nennen sich „e-fellows“, die Mitglieder des Internet-Netzwerks für deutsche Studenten und Nachwuchskräfte. Somit wären die Kumpels selbst ein Fall für den „Verein deutsche Sprache“, der sich gegen den inflationären Gebrauch englischer Wörter in unserem Alltag wendet. Umso erstaunlicher das Ergebnis einer Umfrage unter den rund 1900 „Fellows“, zum Thema:
Trägt „Denglisch“ zur Bereicherung oder zur Verarmung unserer Sprache bei? Eindeutig eine Verarmung, meint die deutliche Mehrheit. Daß Bezeichnungen, für die es auch deutsche Entsprechungen gibt, durch englische Begriffe oder gar eine Wortkombination aus beiden Sprachen („Denglisch“) ersetzt werden, finden sie aufgesetzt und lächerlich.
Klar: „Anti-Aging-System“ hört sich in der Werbung flotter an als „Antifaltencreme“, was einen irgendwie alt aussehen läßt. Diese Plastiksprache ist jedoch purer Etikettenschwindel. Oder schmeckt es in der Kantine besser, wenn ich mir meine Nudeln am „Menu-Counter“ statt an der Essensausgabe abhole?
Immer häufiger finden sich in unserer Sprache englische Brocken, und das in oft lächerlicher Vermischung. Da ist von „anfaxen“ die Rede, von „News abmailen“, von „Moonshine-Zeiten“ oder von „CityCall-Verbindungen“. Und wer zum Beispiel die Schlagzeile liest „Inforecherche total im Onlinedienst für Homenutzer“, muß viermal vom Deutschen ins Englische und zurück wechseln, zweimal sogar im selben Wort.
Natürlich lebt Sprache von fremden Einflüssen, sie wächst und paßt sich an. Daß der Offsetdruck, mit dem diese Zeitung hergestellt wird, eine Zusammensetzung aus zwei englischen Wörtern und einem deutschen ist, stört längst keinen mehr.
Man soll die eigene Sprache nicht krampfhaft gegen Einflüsse von außen abschotten, aber auch nicht alles kritiklos übernehmen. Warum muß es denn Reader statt Lesestoff heißen, Brainstorming statt Ideenaustausch, Milestone statt Meilenstein oder Global Player statt Weltkonzern?
Ich will nicht verstehen, daß ein schlichter Fahrkartenschalter plötzlich zum Ticket-Office wird oder der Ratsuchende statt zur Auskunft ins Erdgeschoß zum Service-Point ins Basement gelotst wird.
Daß man ohne Englischkenntnisse nicht mehr zum Einkaufen gehen kann, ist ein Witz, der keinen zum Lachen bringt. Zwei Drittel der Deutschen grenzt diese babylonische Sprachakrobatik aus, weil sie nämlich kein Englisch können. Interessant, daß selbst ein Drittel der jungen sprachgebildeten „Fellows“ aus obiger Umfrage zugibt, gelegentlich zum Lexikon greifen zu müssen.
Schluß also mit überflüssigen Fremdwörtern und der Verhunzung unserer Sprache!
Die Wortpfuscher und Sprachpanscher gehören nicht outgesourct, sondern schlicht auf die Müllkippe . . . ** missed drop char **"
Quelle: http://www.bild.t-online.de/BTO/news/aktuell/2006/03/12/bams-hahne/bams-hahne.html
